Zürcher Modell «Aufsuchender Dienst Forensic Nurses» wird dauerhaft verankert
Medienmitteilung 23.04.2026
Der Aufsuchende Dienst Forensic Nurses (ADFN) bietet rasche und professionelle Unterstützung für Menschen, die sexuelle und häusliche Gewalt erlebt haben. Seit dem Start im Frühling 2024 hat sich gezeigt, dass das Angebot eine wichtige Versorgungslücke schliesst, bestehende Hilfsangebote ergänzt und eine professionelle Spurensicherung und empathische Beratung sicherstellt. Der Dienst soll darum langfristig in den Regelbetrieb überführt werden.
Der Aufsuchende Dienst Forensic Nurses wurde im Frühling 2024 am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich gestartet. Der Dienst wird von der Gesundheitsdirektion, der Direktion der Justiz und des Innern, der Bildungsdirektion und der Sicherheitsdirektion in Zusammenarbeit umgesetzt (vgl. Regierungsratsbeschluss Nr. 1320/2023).
Der Dienst richtet sich an alle Menschen, die sexuelle und häusliche Gewalt erlebt haben – unabhängig von Alter oder Geschlecht. Betroffene können sich direkt über die kostenlose Telefonnummer 0800 09 09 09 melden oder sich an einen Spitalnotfall im Kanton wenden. Die Forensic Nurses rücken bei Bedarf rund um die Uhr aus und stellen eine professionelle Spurensicherung und eine empathische Beratung sicher – auch dann, wenn die Betroffenen keine Strafanzeige erstatten. Die Pilotphase läuft noch bis Ende 2026.
Eine externe Evaluation durch das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeigt: Der Dienst bringt einen klaren Mehrwert und trägt entscheidend zur Qualität der Versorgung bei. Neben Einsätzen in Spitälern sind auch telefonische Beratungen ein zentraler Bestandteil des Angebots.
Hohe Fallzahlen bestätigen Richtigkeit des Zürcher Modells
Die Notwendigkeit des Aufsuchenden Dienstes Forensic Nurses zeigt sich deutlich in der Nachfrage: Von April bis Dezember 2024 wurden statt der erwarteten 150 Fälle insgesamt 279 forensische Untersuchungen und Telefonberatungen verzeichnet. Auch 2025 lag die Nachfrage mit 512 Fällen klar über den Erwartungen. In 13 Prozent der Fälle, das sind 45 von 345 forensisch untersuchten Fällen im Evaluationszeitraum, wurde nachträglich eine Anzeige erstattet. Im Vergleich zu früheren Zeiträumen ist dies ein hoher Wert.
Angesichts dieser Entwicklung beschliesst der Regierungsrat: Der Dienst soll langfristig weitergeführt und finanziell gesichert werden. Der ADFN ist im Kanton Zürich ein einzigartiges Angebot, schliesst eine wichtige Versorgungslücke und funktioniert gut in der Zusammenarbeit mit Spitälern, Opferberatungsstellen sowie Polizei und Staatsanwaltschaft.
Die Evaluation bestätigt zudem, dass sich die Ausgestaltung des Modells bewährt hat – insbesondere die dezentrale und niederschwellige Organisation. Auch das bestehende Leistungsangebot mit physischer Spurensicherung nach vorgängiger telefonischer Beratung hat sich als richtig und notwendig erwiesen. Entsprechend soll dieses unverändert weitergeführt werden. Mit dem Beschluss Nr. 430/2026 wird der Dienst ab 2027 in den dauerhaften Betrieb überführt und für die Jahre 2027 bis 2030 finanziert.
Zudem wird das Angebot schrittweise weiterentwickelt. Geplant ist, bis Anfang 2028 eine zentrale, gut erreichbare ambulante Anlaufstelle für Opfer zu schaffen, die keine Spitalbehandlung benötigen. Damit wird auch das Anliegen der überwiesenen Motion (KR-Nr. 323/2021) betreffend Einrichtung von Krisenzentren für Opfer sexueller Gewalt aufgenommen.
Forensic Nurses: Unterstützung für Gewaltopfer rund um die Uhr
Die Forensic Nurses des ADFN sind speziell ausgebildete Fachkräfte, die kostenlos zu allen Notfallstationen der Spitäler im Kanton Zürich ausrücken. Sie übernehmen eine wichtige Rolle in der forensischen Betreuung von Opfern sexueller und häuslicher Gewalt.
Erreichbarkeit und Einsatz:
24/7 365 Tage im Jahr unter der Telefonnummer: 0800 09 09 09.
Spurensicherung und Dokumentation:
Die Forensic Nurses sichern gerichtsverwertbare Spuren und dokumentieren Verletzungen (z. B. DNA-Abstriche, toxikologische Proben).
Beratung und Betreuung:
Die Forensic Nurses informieren Betroffene über ihre Rechte und Möglichkeiten und vermitteln für die weitere Unterstützung und Begleitung an Opferberatungsstellen, die zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.
Sensibilisierung und Weiterbildung:
Die Forensic Nurses tragen aktiv dazu bei, das medizinische Personal in den Spitälern zu sensibilisieren und auf die frühzeitige Erkennung von sexueller und häuslicher Gewalt vorzubereiten. Diese Weiterbildung stärkt das Netzwerk im Kanton Zürich und verbessert die Versorgung der Opfer.
Die Forensic Nurses können mit Einverständnis des Opfers weitere Unterstützungsangebote, z.B. durch eine Opferberatungsstelle oder einen Platz in einer Schutzunterkunft, organisieren. Die enge Zusammenarbeit mit der Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich stellt sicher, dass Betroffene schnell Schutzmassnahmen erhalten.