Der Kampf gegen Gewalt fördert die Gleichstellung

Bereits zum dritten Mal gehen dieses Jahr am 14. Juni in der ganzen Schweiz Zehntausende auf die Strasse. Sie folgen dem Aufruf einer breiten Allianz, für mehr Gleichstellung zu demonstrieren. Am Tag davor sind Corine Mauch, Stadtpräsidentin von Zürich, Jacqueline Fehr, Regierungsrätin und Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich, sowie Vertreterinnen der Gleichstellungs-Fachstellen von Stadt und Kanton gemeinsam vor die Medien getreten. Ihr Fokus lag auf dem Kampf gegen die geschlechtsspezifische Gewalt. Es sei vordringlich, diesen Kampf mit aller Vehemenz fortzuführen. «Gewalt verhindern bedeutet Gleichstellung fördern», betont Regierungsrätin Fehr. Und Stadtpräsidentin Mauch stellt klar: «Gleichstellung gibt es nur ohne Gewalt».

Geschlechtsspezifische Gewalt bringe drastisch zum Ausdruck, dass nach wie vor eine Ungleichstellung zwischen den Geschlechtern bestehe, sagte Regierungsrätin Jacqueline Fehr vor den Medien im Stadthaus. Deshalb würden sich Stadt und Kanton gemeinsam engagieren.

Die Handlungsmöglichkeiten der Stadt würden dabei vor allem in der Prävention liegen, führte Stadtpräsidentin Corine Mauch aus. Sie verwies auf die Meldeplattform «Zürich schaut hin». Durchschnittlich zwei Mal täglich melde jemand über die Plattform eine sexuelle, homo- oder transfeindliche Belästigung. «Nicht wegsehen bei Belästigungen und Übergriffen! Das ist eine klare Botschaft», so Mauch. Sie wolle dabei besonders die Männer ansprechen: «Schaut hin, greift ein, bezieht Stellung gegenüber Männern, die belästigen!»

«Zürich schaut hin» ist in diesem Sommer auch an verschiedenen Grossanlässen wie dem Züri Fäscht präsent.

Martha Weingartner, Projektleiterin bei der Fachstellung Gleichstellung der Stadt Zürich, unterstrich den Handlungsbedarf mit Zahlen aus der 2022 veröffentlichten Zürcher Jugendbefragung. Diese zeigt zum Beispiel, dass die Opfererfahrungen in der Kategorie «Sexuelle Nötigung/Vergewaltigung» bei den befragten Jugendlichen stark zugenommen haben – besonders bei den Mädchen und den queeren Jugendlichen.

Regierungsrätin Jacqueline Fehr gab einen Einblick in die Massnahmen, mit denen der Kanton die Istanbul-Konvention umsetzt. Dieses Abkommen des Europarats will Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt verhüten und bekämpfen. Zu den Massnahmen gehört, dass die Fachleute des Statistischen Amts die Datengrundlage im Bereich der geschlechtsspezifischen Gewalt erweitern und verbessern. Dadurch werde es möglich, gezieltere und wirkungsvollere Präventionsangebote zu entwickeln.

Eine zentrale Massnahme zur Gewaltprävention sei das Bemühen, bereits Kinder für Rollenbilder und Geschlechterstereotype zu sensibilisieren und ihnen zu vermitteln, dass es für geschlechtsspezifische Gewalt keine Toleranz gebe, betonte Jacqueline Fehr. Vor diesem Hintergrund, so die Regierungsrätin weiter, «wünsche ich mir für die Zukunft an allen Zürcher Schulen Gendertage».

Susanne Nef, seit Anfang Mai Leiterin der Fachstelle Gleichstellung des Kantons, führte aus, dass das Engagement gegen Gewalt und für mehr Gleichstellung zwei Dimensionen habe. Zum einen fördere der Einsatz gegen geschlechtsspezifische Gewalt die Gleichstellung. Zum anderen gelte auch das Umgekehrte: «Gleichstellung ist ein zentraler Treiber in der Bekämpfung und Verhütung von geschlechtsspezifischer Gewalt», so Susanne Nef.
Geschlechtsspezifische Gewalt – also zum Beispiel sexuelle Gewalt, sexuelle Belästigung, Stalking, Hate Crime gegen LGBTQI-Menschen oder häusliche Gewalt – sei immer Ausdruck ungleicher Machtverhältnisse. Sie breite sich in einem Klima des Wegschauens und der Gleichgültigkeit aus. Deshalb gehe das Engagement für mehr Gleichstellung alle an. Susanne Nef betont: «Gewalt ist keine Privatangelegenheit. Sie geht uns alle an.»

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